logo Dr. med. vet. Marianne Richter
Dipl. ECVO (Ophthalmology)
Internationale Fachtierärztin für Augenheilkunde
   

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Bluthochdruck - AugenverÄnderungen

WAS VERSTEHT MAN UNTER BLUTHOCHDRUCK ?

Bluthochdruck bedeutet ein erhöhter Blutdruck im gesamten Blutkreislaufsystem.
Der normale Blutdruck (systolisch/diastolisch) bei Katzen und Hunden liegt zwischen 120/70 mmHg und 140/80 mmHg. Bei Aufregung und Stress (z. B. beim Tierarztbesuch) kann der Blutdruck kurzfristig bis auf 160/100 mmHg erhöht sein. Daher wird bei gestressten Tieren erst ein Blutdruck >160/100 mmHg als erhöht angesehen.
Vor allem bei älteren Katzen (>10 Jahre) ist Bluthochdruck ein relativ häufiges Problem.
Bluthochdruck wird beim Tier oft übersehen, da es keine typischen äusseren Anzeichen dafür gibt. Tiere mit Bluthochdruck zeigen lediglich ein etwas reduziertes Verhalten, welches meist dem Alter des Tieres zugeschrieben wird und nicht dem Bluthochdruck.

WIE ERKENNE ICH BLUTHOCHDRUCK ?

Tiere - betroffen sind v. a. ältere Katzen - mit Bluthochdruck sind eher apathisch und ziehen sich zurück.
Das reduzierte Verhalten wird irrtümlicherweise häufig dem Alter und nicht dem Bluthochdruck zugesprochen. Für den Tierbesitzer klinisch auffällig wird die Katze erst, wenn sie plötzlich erblindet.
Da der Bluthochdruck am Auge zu Netzhautablösungen oder Blutungen führt, fällt zusätzlich zur akuten Erblindung entweder beidseits eine weite und starre Pupille auf, oder die Augen erscheinen gerötet (Blut in der vorderen Augenkammer oder im Glaskörperraum). Die Augen sind nicht schmerzhaft, die Tiere haben einen suchenden oder starren Blick und bewegen sich unsicher.

Katze mit weiten Pupillen und NetzhautablösungKatze mit Blutungen im Auge

  Weite Pupillen aufgrund beidseitiger Netzhautablösung   Beidseits Blutungen in der vorderen
Augenkammer

FOLGEN FÜR DAS AUGE

Bluthochdruck strapaziert die Blutgefässwände welche mit der Zeit durchlässig werden. Sind Blutgefässe im Auge geschädigt, kommt es zum Austritt von Flüssigkeit oder Blut. Die Ansammlung von freier Flüssigkeit hinter der Netzhaut bewirkt eine Ablösung der Netzhaut; kommt es zum Austritt von Blut, so ist dies als Blutung in der vorderen Augenkammer und/oder im Glaskörper erkennbar. Sowohl eine Netzhautablösung als auch Blutungen im Auge führen zur dauerhaften Erblindung, wenn der Bluthochdruck nicht rasch behandelt wird.
Durch die Senkung des Blutdruckes werden die Blutgefässe entlastet und dichten wieder ab. Die ausgetretene Flüssigkeit bzw. Blut werden resorbiert, und die Netzhaut kann sich wieder anlegen. Blutungen in den Glaskörper werden nur sehr langsam resorbiert und können zur Netzhautschädigung und -ablösung führen.

DIAGNOSE

Kommt es zu Blutungen im Auge, so erscheint das Auge rot. In manchen Fällen fehlt eine Blutung und es besteht nur eine Netzhautablösung durch Flüssigkeits-
ansammlung unterhalb der Netzhaut. In diesen Fällen erscheinen die Augen aufgrund der weiten und nicht lichtresponsiven Pupillen starr (starrer Blick), das Tier ist blind und bewegt sich unsicher. Erst bei einer Augenuntersuchung wird die Ablösung der Netzhaut festgestellt. Eine Messung des Blutdruckes ermöglicht die Diagnose des Bluthochdruckes.

Blutdruckmessung bei einer Katze

URSACHEN FÜR BLUTHOCHDRUCK

Die häufigsten zugrundliegenden Ursachen für Bluthochdruck sind eine Niereninsuffizienz, eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Diabetes mellitus, Cushing, Herzkrankheiten, Adipositas (Verfettung) und Schmerzen.
Da ältere Katzen häufig an Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenüberfunktion leiden, ist Bluthochdruck bei diesen Tieren keine Seltenheit.

THERAPIE

Bluthochdruck sollte immer behandelt werden, da er nicht nur die Augen, sondern viele andere Organe im Körper schädigt (v. a. die Nieren, das Herz, das zentrale Nervensystem und die Blutgefässe).
Bluthochdruck kann mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt werden. Allerdings müssen zwingend die Nierenfunktion und Schilddrüsenfunktion über das Blut kontrolliert werden.
Bei bestehender Niereninsuffizienz muss vorsichtig mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt werden, da eine Blutdrucksenkung auch zu verminderter Nierendurchblutung führt und in der Folge die Niereninsuffizienz verstärken kann.

PROPHYLAXE

Da Bluthochdruck keine deutlichen Symptome zeigt und die Veränderungen am Auge häufig zu Beginn übersehen werden, empfiehlt es sich, bei Katzen ab dem 10. Lebensjahr jährlich den Blutdruck zu messen und die Nierenfunktion und Schilddrüsenfunktion zu überprüfen.
Der Blutdruck kann mittels Blutdruckmessgerät gemessen werden, die Funktion der Niere und Schilddrüse lässt sich über Blut und Harn indirekt bestimmen.      

PROGNOSE

Die Prognose für das Sehvermögen hängt davon ab, inwieweit der Bluthochdruck das Auge bereits geschädigt hat.
Je länger die Netzhaut abgelöst bleibt und je stärker die Blutungen im Auge sind, desto eher kommt es zu dauerhaften Schäden und zur Erblindung. Eine frühzeitige Behandlung des Bluthochdruckes kann Schäden der Netzhaut und anderer Organe verhindern.

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letzte Aktualisierung 24.06.2008
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June 24, 2008