logo Dr. med. vet. Marianne Richter
Dipl. ECVO (Ophthalmology)
Internationale Fachtierärztin für Augenheilkunde
   

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herpeskeratitis

WAS IST EINE HERPESKERATITIS ?

Eine Herpeskeratitis ist eine Entzündung der Hornhaut, welche durch Herpesviren ausgelöst wird.

WIE ERKENNE ICH EINE HERPESKERATITIS bzw. HERPESVIRUSINFEKTION ?

Die akute Infektion mit Herpesviren kann –  je nach Immunlage der Katze – symptomlos stattfinden, oder von Niesen, Schnupfen, Augen- und Nasenausfluss, Blinzeln/Zukneifen der Lider (Blepharospasmus), Rötung der Bindehaut (Konjunktivitis), eventuell Hornhauttrübungen (Keratitis) und Hornhautulzerationen begleitet sein.
In der Regel sind Katzenwelpen stärker betroffen als adulte Katzen, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Je stärker der Virusbefall und je schlechter die Immunabwehr, desto gravierender sind die Symptome.

HerpeskonjunktivitisHerpeskeratitis

  Konjunktivitis   Keratitis mit Hornhauterosion

URSACHE

Das feline Herpesvirus ist (wie auch andere Herpesviren) speziesspezifisch, d. h. es befällt nur Katzen und kann nicht auf den Menschen oder andere Tierarten übertragen werden. Allerdings ist eine Übertragung von Katze zu Katze häufig ein grosses Problem, vor allem in Katzenzuchten und Tierheimen.

Herpesviren umgehen das Immunsystem der Katze, indem sie rasch nach Infektion in ein latentes Stadium (Ruhestadium) übergehen. Hierzu ziehen sich die Herpesviren in das Nervensystem der Katze zurück.
Bei Schwächung des Immunsystems durch Stress (Transport, Wohnungs-
wechsel, Narkose, Ausstellungen, Geburt, ...) kann das Herpesvirus aus seinem Ruhestadium reaktiviert werden und gelangt über die Nervenfasern wieder in die Bindehaut und Hornhaut des Auges. Durch die Vermehrung des Virus kommt es zur Zerstörung der befallenen Zellen. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion und Immunreaktion in der Bindehaut (Konjunktivitis) und Hornhaut (Keratitis).

Je nach Immunlage, kann die Katze mit der Virusinfektion selber fertig werden (selbstlimitierende Infektion) oder benötigt eine antivirale Therapie.
Durch die Impfung gegen felines Herpesvirus kann keine Infektion verhindert werden. Häufig hat die Erstinfektion bereits kurz nach der Geburt und vor der ersten Impfung stattgefunden, sodass das Herpesvirus bereits im Nerven-
gewebe etabliert ist. Geimpfte Katzen erkranken in der Regel jedoch weniger stark als ungeimpfte Katzen.

FOLGEN

Eine akute Herpesvirusinfektion der Bindehaut und/oder Hornhaut führt initial zu oberflächlichen Läsionen. Bakterielle Sekundärinfektionen der Hornhaut können dazu führen, dass solche oberflächlichen Läsionen tiefer werden (Hornhautulkus) und schlimmstenfalls zu einer Hornhautperforation führen. Bleibende Verwachsungen von Bindehaut oder Bindehaut mit Hornhaut (Symblepharon) ist oft eine Folge schwerer Herpesvirusinfektionen am Auge.

Eine chronische Herpeskonjunktivitis und/oder Herpeskeratitis ist gekennzeichnet durch chronische Entzündungsreaktionen: die Bindehaut ist gerötet und verdickt (Konjunktivitis) und die Hornhaut zeigt Blutgefäss-
einsprossung und Fibrosierung (chronische Keratitis).
Eine chronische Entzündung der Hornhaut führt zu einer Reduktion oder einem Verlust der Transparenz und somit zur Reduktion oder Verlust des Sehvermögens. Auch die Hornhautnekrose bzw. Sequester wird mit Herpesvirusinfektionen in Zusammenhang gebracht.

DIAGNOSE

Die Stellung einer Diagnose ist bei akuter Herpesvirusinfektion meist möglich,
da der Virus sich an der Augenoberfläche befindet und dort mittels PCR (Untersuchung auf Virus-DNA) nachgewiesen werden kann. Auch sprechen typische dendritische (punkt- oder linienförmige) oberflächliche Hornhaut-
läsionen für eine Herpeskeratitis.
In chronischen Fällen ist der Nachweis des Herpesvirus schwierig, da dieser
sich in das Nervensystem zurückzieht und an der Augenoberfläche nicht mehr nachweisbar ist. Somit bleibt nur eine Verdachtsdiagnose aufgrund des Krankheitsverlaufes und der klinischen Symptome.

THERAPIE

Die Therapie der akuten Herpesvirusinfektion am Auge umfasst eine Behandlung mit Virostatika (Medikamente, die den Virus in der Vermehrung hemmen) und mit Antibiotika, um eine bakterielle Sekundärinfektion zu verhindern.
Die Therapie der chronischen Herpeskeratitis und –konjunktivitis zielt auf die chronische Entzündungs- und Immunreaktion ab, und besteht meist aus lokaler entzündungshemmender Augenpräparate.
In Fällen, wo die entzündungshemmende Therapie nicht zum Erfolg führt, ist eine chirurgische Abtragung der oberen Hornhautschichte notwendig. Um Rezidive zu reduzieren, kann eine tägliche Behandlung mit L-Lysin-Kapseln versucht werden.

PROGNOSE

Die Prognose für das Sehvermögen hängt vom Ausmass und der Dauer der Keratitis ab. Da der Herpesvirus reaktivieren kann, sind Rezidive (= Wieder-
auftreten der Erkrankung) möglich.

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letzte Aktualisierung 24.06.2008
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June 24, 2008